Saison-Rückblick 2019

Eine eigene Regatta und einmal technische, logistische und personelle Unterstützung: Der Regattakalender für 2019 sah auf den ersten Blick harmlos aus. Dass es die Saison für Regatta München trotzdem in sich haben sollte, lag an dem Bewerbungsmarathon für die FISA-Events zwischen 2021 und 2024. Um der Olympia-Regattastrecke wieder zu ihrem angestammten Platz auf der weltweiten Landkarte der ausgewählten FISA-Regattastandorte zu verhelfen, fiel im Vorstand schon 2018 die Entscheidung, an dem aufwändigen Strategic Event Attribution Process der FISA für die europäischen und internationalen Events teilzunehmen.

Der erste Satz an Hausaufgaben dafür war bereits früh im Jahr fällig: Am 15. April lief die Vorbewerbungsfrist der FISA aus. Der Regattaverband der Metropolregion München stellte Bewerbungsunterlagen für vier Events zusammen, darunter die European Rowing Junior Championships 2021, die World Rowing Masters Regatta 2022 sowie jeweils eine Regatta der World Rowing Cup (WRC)-Serie 2023 und 2024. Parallel dazu, aber nicht durch Regatta München betreut, lief auch der Bewerbungsprozess für die European Championships 2022. Dabei handelt es sich um das Multi-Sport-Event, das erstmalig 2018 in Glasgow und Berlin ausgetragen wurde und bei dem auch Ruderwettkämpfe dabei sind. Dafür hatte sich die Landeshauptstadt München in Stellung gebracht, um das 50-jährige Jubiläum der Olympischen Sommerspiele von 1972 zu feiern.

1. Internationale DRV-Junioren-Regatta mit hohem Besuch

Angesichts der Bemühungen der Stadt war die Erwartung bei Regatta München hoch, als sich für die 1. Internationale DRV-Junioren-Regatta am 4. und 5. Mai hoher Besuch ankündigte: Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann schaute mit zahlreichen Vertretern aus der Landespolitik, der Landeshauptstadt München sowie aus dem Sport vor Ort vorbei und konnte eine große Regatta auf einer lebendigen Regattaanlage erleben.

Insgesamt kamen 73 Rennen mit 217 Läufen an zwei Regattatagen zustande, die für knapp 19 Stunden Renngeschehen sorgten. 915 Ruderer zwischen 15 und 18 Jahren aus 10 Nationen lieferten sich packende Rennen. In Absprache mit dem DRV schickte Regatta München je nach Gesamtzahl der gemeldeten Boote in den wichtigen U19-Rennen auch Vorläufe mit sieben statt nur mit sechs Booten ins Rennen. Dadurch gab es eine bessere Vergleichbarkeit als bei einer Verteilung auf mehrere Läufe mit nur zwei oder drei Booten. „Dieser Modus kam sehr gut an. Das Format möchten wir gerne beibehalten“, so Junioren-Bundestrainerin Sabine Tschäge. Zudem lobte sie die Organisation der Regatta und ihre Athleten: „München ist der Rotsee des Juniorenruderns. Hier ist immer eine tolle Atmosphäre.“

Dass sich Innenminister Herrmann bei seinem Besuch ebenfalls positiv äußerte und in Aussicht stellte, dass die bayerische Staatsregierung künftige große Sportveranstaltungen fördern könnte, ließ Regatta München hoffen: „Das könnte wichtige Impulse für den Erhalt der Anlage setzen. Wir von Regatta München folgen seinem Aufruf gerne und holen künftig wieder bedeutende internationale Ruderveranstaltungen an die Olympia-Strecke von 1972“, sagte der Vorsitzende Oliver Bettzieche nach der Junioren-Regatta.

Der weitere Bewerbungsweg

Doch bis zur Vergabe der Events sollte noch reichlich Wasser die Isar runterfließen. Bis zum 30. Juni 2019 hatten alle Bewerber jetzt Zeit, in Absprache mit dem Event-Team der FISA ihre Unterlagen zu vervollständigen. Zuvor stand am 24. Mai eine ganztägige Präsentation der Bewerbungen in Lausanne am FISA-Hauptsitz an, die Oliver Bettzieche zusammen mit Florian Krey vom Olympiapark München absolvierte. Das Augenmerk lag hier auf dem Konzept und der Vision für mögliche World Cups in München. Wenig später gegen Ende des Monats besuchte eine Abordnung von Regatta München die European Rowing Championships in Luzern – einerseits, um sich als potenzielles Future Organising Committee mit den Schweizer Organisatoren auszutauschen, andererseits um bei der FISA Flagge zu zeigen, wie ernst es München mit den Bewerbungen war. Vor dem endgültigen Abgabetermin fanden noch drei Videokonferenzen mit der FISA statt, bevor die finalisierten Unterlagen über den DRV als zuständigen Nationalverband ihren Weg zum Weltverband fanden. Von da an hieß es Daumen drücken und abwarten. Leider erreichte Regatta München kurze Zeit später eine wenig ermutigende Nachricht aus dem Bayerischen Staatsministerium: Anders als von Staatsminister Herrmann im Mai in Aussicht gestellt, wird es kein Budget für Ruderregatten vom Freistaat geben, es sei denn, es handelt sich um Welt- oder Europameisterschaften.

Besuch in Linz und Vergabeentscheidung

Trotz dieses Rückschlags ließ es sich Regatta München nicht nehmen, die deutsche Nationalmannschaft in Linz anzufeuern und wieder über den Tellerrand zu schauen, wie andere Organisationsteams arbeiten. Am 2. September, einen Tag nach den Finalrennen der Ruder-Weltmeisterschaft in Linz, war es dann endlich soweit: Im Rahmen des jährlichen ordentlichen FISA-Kongresses wurden die Austragungsorte der FISA-Events zwischen 2021 und 2024 bekannt gegeben. Für zwei Großereignisse erhielt München den Zuschlag: 2021 für die European Rowing Junior Championships und 2024 für den World Rowing Cup II. Zudem wurde bestätigt, dass die European Championships 2022 an die Landeshauptstadt München vergeben wurden und in diesem Rahmen Ruderwettkämpfe stattfinden werden. Trotz dieser positiven Nachrichten blieb angesichts der zwei weiteren, nicht berücksichtigten Bewerbungen ein Wermutstropfen: „Wir hätten bis 2024 sehr gern noch zwei weitere hochkarätige FISA-Events an die Strecke geholt“, so Oliver Bettzieche. „Wir verstehen die Entscheidung als Ansporn, uns weiter zu engagieren. Es gilt, in Zusammenarbeit mit Politik und Wirtschaft Konzepte zu erarbeiten, um die Olympia-Regattastrecke im Rahmen des Denkmalschutzes wieder so attraktiv zu machen, dass wir uns künftig für weitere großen Aufgaben empfehlen können.“ Die World Rowing Masters Regatta wurden aufgrund der European Championships im gleichen Jahr nicht nach München vergeben.

Ein Bild, das Wasser, Gras, Text enthält.

Automatisch generierte Beschreibung

Für die beiden FISA-Events hat der Vorstand von Regatta München unser Mitglied Prof. Klaus Ulbrich, Ehrenpräsident des Bayerischen Ruderverbands, gebeten, als unser Ehrenvorsitzender der beiden entsprechenden Organisationskomitees 2021 und 2024 zu fungieren.

Gleichzeitig wird der Vorstand der nächsten Mitgliederversammlung vorschlagen, Prof. Klaus Ulbrich zum Ehrenmitglied zu ernennen. Seine Erfahrung und seine wohlwollenden Ratschläge sind für uns besonders wertvoll.

51. Bundeswettbewerb der Jungen und Mädchen

Nur eine halbe Woche später stand am 7. und 8. September der 51. Bundeswettbewerb für Jungen und Mädchen an. In Unterstützung der Deutschen Ruderjugend motivierte Regatta München über 120 Volunteers, um die Veranstaltung mit einer Langstrecke über 3.000 Meter, dem Allgemeinem Sportwettbewerb und der 1.000-Meter-Kurzstrecke auszurichten. Neu war diesjährig, dass die Regatta nur über zwei statt über drei Tage lief. Nebel am Sonntag brachte den Zeitplan zeitweilig ins Rutschen, als die Kurzstreckenrennen aus Sicherheitsgründen nach hinten geschoben werden mussten. Immerhin konnte die Zeit genutzt werden, um die am Samstagabend wegen Gewitter abgebrochene Siegerehrung zu Ende zu bringen. Der späte Vormittag brachte dann mehr Regen, so dass die Regatta als prima organisiert, aber wettermäßig verbesserungswürdig in Erinnerung blieb.

München-Werbung bei der World Rowing Masters Regatta in Velence

Fast ohne Verschnaufpause machte sich Regatta München nach dem Bundeswettbewerb auf, um eine ganz andere Zielgruppe von den Vorzügen von München als Regattastandort zu begeistern: Auf der World Rowing Masters Regatta im ungarischen Velence bezog der Regattaverband vom 11. bis zum 15. September einen großen Stand im Ausstellerbereich und machte auf die Euro Masters Regatta 2020 vom 17. bis 19. Juli erfolgreich aufmerksam. Rund 1.000 grüne und orange Sonnenbrillen mit dem 2020er Regatta-Slogan ‚Munich – Fabulous Fun in the Sun‘ fanden begeisterte Abnehmer unter den Masters-Ruderern aus aller Welt. Das positive Feedback bestätigte die Entscheidung, mit der Regatta München bereits nach Velence gereist war: Ab 2020 wird die Euro Masters Regatta im jährlichen Turnus auf der Olympia-Regattastrecke in München ausgetragen. Ursprünglich fand die Euro Masters Regatta im Vier-Jahres-Rhythmus immer nur dann statt, wenn die World Rowing Masters Regatta außerhalb von Europa ausgerichtet wurde. Mit dem neuen jährlichen Turnus ergänzt Regatta München die Masters-Regattasaison und bietet vor der World Rowing Masters Regatta, dem wichtigsten Masters-Event des Jahres, eine Standortbestimmung. „Wir haben sehr viele gute Gespräche in Velence geführt und ausschließlich positive Resonanz auf unsere Pläne erhalten – sowohl in Bezug auf die Euro Masters als auch auf die beiden FISA-Regatten“, so Oliver Bettzieche. „Uns ist wichtig, nicht nur auf sportlicher Ebene einen qualitativ hochwertigen Wettkampf mit fairen Bedingungen zu bieten, sondern auch eine tolle Atmosphäre und eine entspannte Stimmung zu schaffen. Die Mischung macht’s! Wir freuen uns jetzt auf das nächste regattareiche Jahr und machen uns an die Arbeit.“

Vorwärts geht’s auch – Kanu kommt! Anfang des Jahres kamen der Bayerische Kanu-Verband und der Deutsche Kanu-Verband auf Regatta München zu, da sie die Regattastrecke in München auch im Kanurennsport-Bereich national und international weiter beleben und neu aufstellen wollten. Nach intensiven Gesprächen mit den beteiligten Vereinen und Verbänden wird Regatta München 2020 erstmalig die Süddeutschen Meisterschaften im Kanurennsport vom 19. bis 21. Juni ausrichten. Zudem hat sich der Bayerische Kanu-Verband mit Regatta München als Ausrichter vor Ort für die Deutschen Kanurennsportmeisterschaften Ende August 2021 beworben. Ziel ist es, unter dem Schirm des Bayerischen Kanu-Verbands und gemeinsam mit den regionalen Kanuvereinen in München wieder große Kanuevents zu veranstalten und auch in dieser Sportart wieder international präsent zu sein. Regatta München ist damit der erste Regattaverband, der sich sowohl Ruder- als auch Kanu-Rennsportregatten widmet. Darüber lassen sich Synergien schaffen, um Helfer zu motivieren und Zuschüsse zu sichern und so mittel- und langfristig hochkarätige Veranstaltungen überhaupt durchführen zu können.

Renovierung der Olympia-Regattastrecke beschlossen

Am 6. November 2019 hat der Sportausschuss der Landeshauptstadt München die Renovierung der Olympia-Regattastrecke in zwei Bauphasen beschlossen. Die erste Bauphase wurde auf 61 Mio. Euro veranschlagt. Dabei werden die Bereiche Haupt- und Naturtribüne, Start-, Zeit- und Zieltürme, das Regattagebäude und die Bootshäuser sowie die Außenbereiche in Angriff genommen. Über die zweite Bauphase muss in den Folgejahren entschieden werden. Die Entscheidung muss Ende November noch von der Vollversammlung des Stadtrats bestätigt werden.

Nicht ohne Stolz erinnern wir hier an die von uns 2015 konzipierte und 2016 umgesetzte Petition „Regatta ohne Regatta? – Nein Danke!“, die wir persönlich bei der zuständigen Bürgermeisterin Christine Strobl abgegeben haben und die ein nicht unwesentlicher Baustein bei der Reaktivierung der Bemühungen um eine Sanierung der Anlage war. Mit einem Schmunzeln sehen wir heute, wer sich alles als Retter der Anlage darstellt. Letztendlich ist es eine Entscheidung der Landeshauptstadt München, massiv Geld in die Hand zu nehmen, um Ruderern, Kanuten, Bogenschützen, Skatern, Radlern und vielen anderen Sportlerinnen und Sportler die Anlage als Sportstätte zu erhalten und uns die Möglichkeit zu geben, weitere großartige Regatten auszurichten. Daher bedanken wir uns ausdrücklich bei Frau Strobl sowie der Referentin für Bildung und Sport, Frau Beatrix Zurek und allen in der Stadtverwaltung beteiligten Personen dafür, dass sie die Regattastrecke nicht abgeschrieben haben, sondern als erhaltenswert für die Zukunft der Metropole München sanieren werden.

European Championships 2022 offiziell nach München vergeben

Ein Bild, das Text enthält.

Automatisch generierte Beschreibung

Am 12. November hat die Olympiapark München GmbH die offizielle Vergabe der European Championships 2022 nach München bekannt gegeben. Nach monatelangen Verhandlungen zwischen dem European Championships Management Board, dem Eigentümer dieses Event-Formats, den beteiligten internationalen Sportverbänden, der Landeshauptstadt München und dem Olympiapark München GmbH war man endlich am Ziel. Das Mega-Event kommt vom 11. bis 21. August 2022 nach München. Von sieben angestrebten Sportarten stehen zunächst sechs fest: Leichtathletik, Radsport, Golf, Turnen, Triathlon und Rudern. Eine siebte Sportart soll noch dazukommen. Dabei soll der Kanurennsport wohl gute Chancen haben, aber eine Entscheidung steht noch aus und wird wohl nicht vor Anfang 2020 kommen.

Die Vergabe nach München hat uns alle begeistert. Allerdings steht noch nicht fest, ob Regatta München auch die Ausrichtung der Europameisterschaft für den Veranstalter übernehmen oder überhaupt unterstützen wird. Nach verschiedenen Gesprächen zwischen den beteiligten Parteien ist noch alles ergebnisoffen.

Ausblick

Die Saison 2020 hat es in sich: Gleich vier Ruderregatten stehen zwischen April und Juli an. Den Auftakt macht das Deutsche Meisterschaftsrudern im Kleinboot mit der Leistungsüberprüfung der Junioren und Juniorinnen A und für Para-Ruderer vom 17. bis 19. April. Dann folgt vom 8. bis 10. Mai die 1. Internationale DRV-Junioren-Regatta. Am 17. Juli startet die dreitägige Euro Masters Regatta. Darin eingebettet sind am 18. und 19. Juli die Bayerischen Ruder-Meisterschaften.Natürlich ist Regatta München bei all diesen Veranstaltungen auf die Unterstützung von freiwilligen Helfern angewiesen. Bewerbungen sind über veitl.regatta.de ab Anfang 2020 möglich.